17.01.2026, 18:04
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 17.01.2026, 18:06 von Manfred Aabye.)
Eine Reise durch die verwaisten Welten von OpenSim
Ein Upgrade auf 0.9.3.1.230 sollte etwas Neues bringen, mehr Möglichkeiten, flüssigere Bewegungen.
Doch nachdem die Software aktualisiert war, offenbarte sich bei meinem ersten Rundgang durch die mir vertrauten virtuellen Landschaften eine andere,
unerwartete Wahrheit: gähnende Leere.
Die Avatarpfade, auf denen einst reger Betrieb herrschte, sind still.
Die futuristischen Plätze, Parkanlagen und Clubhäuser stehen wie ausgestellte Modelle einer vergangenen Epoche da.
OpenSim, die einst so vielversprechende, dezentrale und freie Alternative zu geschlossenen Plattformen, scheint seine Bewohner verloren zu haben.
Es ist ein eigenartiges Gefühl, durch diese digitalen Geisterstädte zu wandern.
Die Architekturen sprechen von Ambitionen und Gemeinschaft: ein großzügiges Auditorium für Vorträge, eine Galerie mit sorgfältig gehängten Texturbildern, ein Café mit verwaisten Stühlen vor dem Tresen.
Alles ist betriebsbereit, die Scripte laufen, die Türschilder blinken – nur die Menschen fehlen.
Das Netzwerk brummt leise vor sich hin, ein Skelett ohne Fleisch.
Woran liegt das große Verstummen?
Die Gründe für die Entvölkerung sind vielschichtig und verweisen auf grundlegende Herausforderungen dezentraler, nischenhafter Metaversen.
Die große Fragmentierung: Die Stärke von OpenSim war auch sein Fluch.
Hunderte unabhängiger Grids, jeder mit seiner eigenen Politik, Wirtschaft und Community, zersplitterten die kritische Masse.
Während Plattformen wie VRChat oder bestimmte Roblox-Erfahrungen Millionen von gleichzeitigen Nutzern bündeln, verteilen sich die OpenSim-Enthusiasten auf Dutzende kleiner Inseln.
Die Suche nach Gesellschaft wird zur Schnitzeljagd durch leere Domains.
Der Sog der Zentren: Soziale Interaktion folgt dem Netzwerkeffekt.
Warum auf ein leeres deutsches Grid gehen, wenn bei einem großen internationalen Event auf einem anderen Grid garantiert hundert Leute sind? Warum den eigenen kleinen Club öffnen,
wenn in VRChat um die Uhrzeit zehn voll besetzte Weltraum-Bars locken? Die verbliebene Aktivität konzentriert sich auf wenige Brennpunkte und Events, die außerhalb ihrer geplanten Zeiten jedoch ebenfalls veröden.
Die technologische Schwerkraft: Während kommerzielle Konkurrenten massive Investitionen in UX, Grafikfidelity und nahtlose Cross-Platform-Erfahrungen pumpen, bleibt OpenSim oft in der Ästhetik und Handhabung einer früheren Ära des Metaverse stecken.
Für neue Nutzer, die mit modernen Standards aufgewachsen sind, wirkt die Hürde hoch, der Einstieg umständlich.
Die Diskretion der Community: Die lebendigsten Gespräche finden oft nicht in der Welt, sondern daneben statt: in Discord-Servern, Facebook-Gruppen und Foren.
Die 3D-Welt wird dann nur noch für das geplante Treffen selbst betreten – eine Art spezialisiertes Konferenzzentrum, das zwischen den Terminen geschlossen ist.
Die spontane, öffentliche Begegnung, der Zauber des frühen Second Life, der OpenSim inspirierte, stirbt aus.
Ist es das Ende – oder nur eine andere Form des Daseins?
Vielleicht ist die Diagnose „tot“ voreilig. Vielleicht hat sich OpenSim von einem breiten sozialen Raum zu einer Infrastruktur der Nische gewandelt. Es lebt weiter als:
> Werkstatt für Creator: Ein kostengünstiger, kontrollierter Sandkasten zum Bauen, Scripten und Testen, frei von den Terms of Service großer Konzerne.
> Archiv der Imagination: Ein Museum selbstgebauter Welten, die als Zeitkapseln erhalten bleiben, auch wenn ihre Erschaffer sie nur noch selten besuchen.
> Rückzugsraum für spezielle Communities: Für Bildungseinrichtungen, historische Reenactments oder kleine Freundeskreise, die ihren privaten, unüberwachten Raum schätzen.
Doch die Trauer über die erlebte Leere ist real. Sie ist die Trauer um das verpasste Potenzial, um die verhallten Echos von Gesprächen an öffentlichen Plätzen, um das Gefühl, Teil eines lebendigen, digitalen Kontinents zu sein.
Mein Rundgang endete an einem einsamen Strand, wo die künstliche Welle mechanisch auf den pixeligen Sand rollt.
Die Szenerie ist perfekt für ein romantisches Avatar-Rendezvous oder eine philosophische Nachtrunde. Doch heute ist niemand hier.
Die Welt wartet. Sie ist betriebsbereit. Sie ist einsam. Das stille Grid ist kein Fehler im System, sondern ein Denkmal für eine bestimmte,
vielleicht vorübergehende, Phase der Idee vom offenen Metaverse – eine Idee, die auf ihre nächste Inkarnation wartet.
Ein Upgrade auf 0.9.3.1.230 sollte etwas Neues bringen, mehr Möglichkeiten, flüssigere Bewegungen.
Doch nachdem die Software aktualisiert war, offenbarte sich bei meinem ersten Rundgang durch die mir vertrauten virtuellen Landschaften eine andere,
unerwartete Wahrheit: gähnende Leere.
Die Avatarpfade, auf denen einst reger Betrieb herrschte, sind still.
Die futuristischen Plätze, Parkanlagen und Clubhäuser stehen wie ausgestellte Modelle einer vergangenen Epoche da.
OpenSim, die einst so vielversprechende, dezentrale und freie Alternative zu geschlossenen Plattformen, scheint seine Bewohner verloren zu haben.
Es ist ein eigenartiges Gefühl, durch diese digitalen Geisterstädte zu wandern.
Die Architekturen sprechen von Ambitionen und Gemeinschaft: ein großzügiges Auditorium für Vorträge, eine Galerie mit sorgfältig gehängten Texturbildern, ein Café mit verwaisten Stühlen vor dem Tresen.
Alles ist betriebsbereit, die Scripte laufen, die Türschilder blinken – nur die Menschen fehlen.
Das Netzwerk brummt leise vor sich hin, ein Skelett ohne Fleisch.
Woran liegt das große Verstummen?
Die Gründe für die Entvölkerung sind vielschichtig und verweisen auf grundlegende Herausforderungen dezentraler, nischenhafter Metaversen.
Die große Fragmentierung: Die Stärke von OpenSim war auch sein Fluch.
Hunderte unabhängiger Grids, jeder mit seiner eigenen Politik, Wirtschaft und Community, zersplitterten die kritische Masse.
Während Plattformen wie VRChat oder bestimmte Roblox-Erfahrungen Millionen von gleichzeitigen Nutzern bündeln, verteilen sich die OpenSim-Enthusiasten auf Dutzende kleiner Inseln.
Die Suche nach Gesellschaft wird zur Schnitzeljagd durch leere Domains.
Der Sog der Zentren: Soziale Interaktion folgt dem Netzwerkeffekt.
Warum auf ein leeres deutsches Grid gehen, wenn bei einem großen internationalen Event auf einem anderen Grid garantiert hundert Leute sind? Warum den eigenen kleinen Club öffnen,
wenn in VRChat um die Uhrzeit zehn voll besetzte Weltraum-Bars locken? Die verbliebene Aktivität konzentriert sich auf wenige Brennpunkte und Events, die außerhalb ihrer geplanten Zeiten jedoch ebenfalls veröden.
Die technologische Schwerkraft: Während kommerzielle Konkurrenten massive Investitionen in UX, Grafikfidelity und nahtlose Cross-Platform-Erfahrungen pumpen, bleibt OpenSim oft in der Ästhetik und Handhabung einer früheren Ära des Metaverse stecken.
Für neue Nutzer, die mit modernen Standards aufgewachsen sind, wirkt die Hürde hoch, der Einstieg umständlich.
Die Diskretion der Community: Die lebendigsten Gespräche finden oft nicht in der Welt, sondern daneben statt: in Discord-Servern, Facebook-Gruppen und Foren.
Die 3D-Welt wird dann nur noch für das geplante Treffen selbst betreten – eine Art spezialisiertes Konferenzzentrum, das zwischen den Terminen geschlossen ist.
Die spontane, öffentliche Begegnung, der Zauber des frühen Second Life, der OpenSim inspirierte, stirbt aus.
Ist es das Ende – oder nur eine andere Form des Daseins?
Vielleicht ist die Diagnose „tot“ voreilig. Vielleicht hat sich OpenSim von einem breiten sozialen Raum zu einer Infrastruktur der Nische gewandelt. Es lebt weiter als:
> Werkstatt für Creator: Ein kostengünstiger, kontrollierter Sandkasten zum Bauen, Scripten und Testen, frei von den Terms of Service großer Konzerne.
> Archiv der Imagination: Ein Museum selbstgebauter Welten, die als Zeitkapseln erhalten bleiben, auch wenn ihre Erschaffer sie nur noch selten besuchen.
> Rückzugsraum für spezielle Communities: Für Bildungseinrichtungen, historische Reenactments oder kleine Freundeskreise, die ihren privaten, unüberwachten Raum schätzen.
Doch die Trauer über die erlebte Leere ist real. Sie ist die Trauer um das verpasste Potenzial, um die verhallten Echos von Gesprächen an öffentlichen Plätzen, um das Gefühl, Teil eines lebendigen, digitalen Kontinents zu sein.
Mein Rundgang endete an einem einsamen Strand, wo die künstliche Welle mechanisch auf den pixeligen Sand rollt.
Die Szenerie ist perfekt für ein romantisches Avatar-Rendezvous oder eine philosophische Nachtrunde. Doch heute ist niemand hier.
Die Welt wartet. Sie ist betriebsbereit. Sie ist einsam. Das stille Grid ist kein Fehler im System, sondern ein Denkmal für eine bestimmte,
vielleicht vorübergehende, Phase der Idee vom offenen Metaverse – eine Idee, die auf ihre nächste Inkarnation wartet.
Ein Metaversum sind viele kleine Räume, die nahtlos aneinander passen,
sowie direkt sichtbar und begehbar sind, als wäre es aus einem Guss.
sowie direkt sichtbar und begehbar sind, als wäre es aus einem Guss.


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