Gestern, 09:01
Nah und doch so fern
Mitten im Fluss der tausend Schritte,
wo jeder eilt und keiner bleibt,
steh ich zwischen all den Stimmen,
die der Wind vorübertreibt.
Gesichter ziehen lautlos weiter,
ein kurzer Blick, dann schon vorbei.
So viele Menschen, so viel Leben –
und doch fühlt sich die Seele frei...
nein, eher einsam, ungehört,
als hätte Zeit das Herz betört.
Wie oft berühren sich die Wege,
doch niemals wirklich Blick und Sinn.
Wir laufen dicht aneinander vorbei
und tragen Welten tief in uns drin.
Ich sehne mich nach einem Lächeln,
das nicht aus Höflichkeit entsteht.
Nach Worten, die nicht flüchtig klingen,
weil jemand wirklich neben mir steht.
Nicht die Nähe zweier Körper,
sondern die, die Herzen kennt.
Ein Augenblick, der leise sagt:
"Ich sehe dich."
Und der uns Menschen wieder Menschen nennt.
Vielleicht beginnt die große Veränderung
gar nicht mit lauten Reden oder Macht.
Vielleicht genügt ein offenes Herz,
das einem anderen entgegenlacht.


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