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Anschlag beim CSD in Berlin.
#6
Manchmal frage ich mich, ob wir in unserer Gesellschaft nicht längst den eigentlichen Gegner aus den
Augen verloren haben.
Wir streiten darüber, wer links oder rechts ist. Wer hier geboren wurde und wer nicht. Welche Religion
besser oder schlechter ist. Welche Fahne jemand trägt oder welche Partei er wählt.
Doch vielleicht liegt das eigentliche Problem viel tiefer.
Eine Gesellschaft lebt nicht allein von Gesetzen, wirtschaftlichem Erfolg oder politischen Mehrheiten. Sie
lebt von Beziehungen zwischen Menschen. Von Vertrauen. Von dem Gefühl, füreinander Verantwortung
zu tragen.
Früher war das oft selbstverständlicher. Mehrere Generationen lebten näher beieinander. Nachbarn
kannten sich. Familien halfen sich gegenseitig. Natürlich war damals nicht alles besser – ganz sicher
nicht. Aber der Gedanke, dass Gemeinschaft auch Verantwortung bedeutet, war vielerorts stärker
verankert.
Heute scheint dagegen oft das eigene Leben zum wichtigsten Projekt geworden zu sein. Jeder kämpft
um seinen Platz, seine Karriere, seine Anerkennung. Alte Menschen verbringen ihre letzten Jahre häufig
fern ihrer Familien. Einsamkeit wird zu einer der größten Krankheiten unserer Zeit. Gleichzeitig suchen
viele Menschen nach einfachen Antworten auf komplizierte Fragen.

Wo Gemeinschaft schwindet, entsteht ein Vakuum. Und ein Vakuum füllt sich selten mit Verständnis. Es
füllt sich mit Misstrauen, Angst und irgendwann mit Feindbildern.
Dann wird aus dem Nachbarn plötzlich "der Fremde". Aus dem Andersdenkenden "der Gegner". Aus
einer Religion "die Gefahr". Aus einer politischen Meinung "der Feind".

Vielleicht beginnt Frieden deshalb nicht zuerst in Parlamenten. Vielleicht beginnt er dort, wo Menschen
wieder lernen, einander zuzuhören. Wo Unterschiede nicht sofort als Bedrohung empfunden werden.
Wo Verantwortung wieder mehr bedeutet als nur das eigene Wohlergehen.

Ich glaube nicht, dass eine einzige Partei unsere Gesellschaft heilen kann. Politik kann Rahmen
schaffen. Aber Zusammenhalt entsteht nicht durch Gesetze. Er entsteht zwischen Menschen.
Vielleicht sollten wir deshalb weniger fragen, wer recht hat.
Und öfter fragen, wie wir wieder zueinanderfinden.

Ich weiß, das ist schwer, auch ich halte mich an meinen Überzeugungen fest.
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Anschlag beim CSD in Berlin. - von Dorena Verne - 26.07.2026, 07:48
RE: Anschlag beim GSD in Berlin. - von Dorena Verne - 27.07.2026, 15:06

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